Ciudad Perdida

Ciudad Perdida- Lost City – Die verlorene Stadt. Eine Ruinenstadt in der Sierra Nevada Kolumbiens, die erst in den 70er Jahren wiederentdeckt wurde. Um dorthin zu gelangen muss man eine 4- tägige Wandertour auf sich nehmen. Und genau damit, bin ich ins neue Jahr gestartet.

Seit dem ich wusste, dass es für mich nach Kolumbien geht, war mir eigentlich klar, dass ich die Tour zur Ciudad Perdida machen möchte.
Glück für mich, dass meine treue und ewige Reisebegleiterin hier in Kolumbien, Mathilda, genauso überzeugt von diesem Plan war und wir dieses Abenteuer gemeinsam bestreiten konnten.
Um 9 Uhr morgens ging es am 01. Januar dieses Jahres los. Wir wurden vom Hostel abgeholt und sind erstmal ins Büro, unseres Tour-Anbieters „Expotour“ gefahren, dort konnten wir etwas von unserem Gepäck lagern (was sich später als Segen herausstellte) und wurden in unsere Gruppe eingeteilt. Diese bestand aus: drei Schweizern, einem irischen Ehepaar, zwei holländischen Geschwister, drei Amerikanern, Mathilda und mir und zwei Tourguides.
Die Guides hießen Jorge und Juan. Jorge war ein super bodenständiger Kolumbianer, der als Übersetzer bei Expotour begonnen hat und mittlerweile selbst Touren führt. Außerdem hat er die ganze Tour in Converse Chucks gemacht, wofür er immer noch meinen größten Respekt hat. Unterstützt wurde er von Juan, er gehört zur indigenen Bevölkerung und war eine durch und durch positive Person. Besser als mit diesen beiden Guides, hätte es bestimmt nicht sein können.

Danach ging es erstmal mit dem Auto ins 2 1/2 Stunden entfernte „El Mamey“, von wo aus wir die Tour nach einem gemeinsamen Mittagessen starteten.

Nur einmal vorneweg gesagt, Mathilda und mir wurde öfters vor der Tour gesagt, wie anstrengend diese sei und das man sich am Besten körperlich, sportlich darauf vorbereiten sollte. Diese Empfehlung haben wir einfach unsportlicherweise ignoriert.

Am ersten Tag wanderten wir ungefähr vier Stunden lang bis zu unserem ersten Camp zum Übernachten. Dabei ging es hauptsächlich bergauf, was mich nicht nur tomatenrot anlaufen ließ, sondern ebenso fürchterlich schwitzen. „Was machen wir hier eigentlich?“ Diese Frage schwebte mir glaube ich 70% des ersten Tages in meinem Kopf herum.

Abgerundet wurde der erste Tag, mit einem letzten Stück bergab, welches sich als wortwörtliche Rutschpartie herausstellte, da der Weg hauptsächlich aus Matsch bestand. Dies führte dazu, dass auch einige sich im Zuge dessen auf den Po legten. Ich war ganz froh, dass ich es ohne Malheur überstand.

Danach, angekommen im Camp, waren wir eine der ersten Gruppen. Aufgrund dessen wir vor dem großen Ansturm, Schweiß, Matsch und Anstrengung von uns waschen konnten.
Am Abend, bevor wir gegen 18 Uhr ins Bett gingen, sagte Jorge uns nochmal, dass es kein Wettbewerb war. Nichts desto trotz war er stolz auf sein Team #1 und weckte uns am nächsten Morgen 10 Minuten früher, um 4:50.

Der nächste Tag startete in der Morgendämmerung und mit müden Augen stolperte ich aus dem, mit Moskito- Netz umgebenen Doppelstockbett. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen, als ich in meine, über Nacht noch nasser gewordenen, Anziehsachen stieg. Kein Wunder bei der hohen Luftfeuchtigkeit.

Schnell gefrühstückt und sobald die ersten Sonnenstrahlen sich blicken ließen, ging es weiter. Tag zwei war, was das Wandern anging, der längste Tag. Außerdem der erste Tag, an dem wir einen Fluss durchqueren mussten. Das stellte sich dann, als aufregender heraus, als gedacht, da das Wasser nicht nur bis zu den Knöcheln ging, sondern auch locker bis zu meinen Oberschenkeln reichte.

Aus mit den Wanderschuhen, rein in den Fluss, raus aus dem Fluss und mit nasser Hose und nassen Füßen wieder an mit den Wanderschuhen. Dieses Prozedere ist im Übrigen auch der Grund für meine entzündeten, aufgescheuerten Hacken nach der Tour.

Nach der wagemutigen Überquerung des Flusses, kam es dann zum anstrengendsten Teil der Tour. 1 1/2 Stunden bergauf laufen und das nach dem man schon die erste Hälfte des Tages gewandert war.
Wir liefen los und recht schnell verlor ich schon den Anschluss zu den Schnellsten unserer Gruppe, die wirklich in Topform waren. Ich versuchte mein eigenes Tempo zu gehen, aber nach jeder Kurve kam die Enttäuschung auf, dass es leider noch nicht vorbei ist. Am Schlimmsten an diesem Stück, fand ich jedoch die pralle Mittagssonne die, plus Anstrengung, auf den Körper drückte.
Nach einer Stunde erreichte ich, genauso wie Mathilda, die ein kurzes Stück vor mir war, den nächsten Stop, an dem es Piña und Orangen gab und das Horror- Stück geschafft war.
Die Schnellsten aus unserem Team haben es in 30 Minuten nach oben geschafft, während der Durchschnitt ungefähr 1 1/2 Stunden braucht, manche sogar 2. Im Endeffekt waren wir dann immer noch stolz auf unsere Leistung von einer Stunde.

Der restliche Weg war dann wieder etwas einfacher, noch eine Flussdurchquerung und ein Stück bergauf. Ein bisschen zwischen Steinen hindurchklettern und am Ende bei unserem Schlafcamp für diesen Tag ankommen.
Wir hatten es ein weiteres Mal vor dem Regen, der jeden Nachmittag den Dschungel überschüttet, und als erstes Team geschafft.

Dieses Camp lag kurz vor der verlorenen Stadt und in dieser Nacht kitzelte es mich schon ein wenig in den Fingerspitzen, aufgrund des Bewusstseins, dass man beinahe sein Ziel erreicht hat.

Der nächste Tag, wurde wieder genauso früh gestartet, wie der Vorherige. Das Einzige was uns noch von der Stadt trennten, waren eine weitere Flussüberquerung und 1200 Treppenstufen.
Der Fluss war schon etwas reißender und ging mir bis zur Hüfte. Ein Seil war beiden Ufern gespannt, was das Durchqueren etwas erleichterte.

Die Treppenstufen stellten sich als sehr rutschig heraus und teilweise gab es nicht so viel Fläche für den Fuß, was die Sache mit dem Gleichgewicht manchmal etwas erschwerte. Vor allem mit Rucksack auf dem Rücken.

Oben angekommen, war es vor 7 Uhr und ich hätte nie gedacht, dass ich jemals, so früh Morgens, so etwas überwältigendes sehen würde. Die Stadt selbst besteht aus verschiedenen Plätzen und Steinkreisen, welche die Überreste der Hütten sind, in denen die Tayrona gelebt haben. Später wurden sie dann unter ihren Häusern, das heißt in diesen Kreisen beerdigt, weshalb man die Kreise auch nicht betreten soll.
Außerdem ist die Ciudad Perdida, noch viel größer, als den Teil den wir an diesem Tag gesehen haben.

In der Stadt trafen wir auch auf, dort lebende Indigene. Jorge, unser Guide, hatte den Kindern Murmeln mitgebracht. Es ging mir das Herz auf, als man die strahlenden Kinder Augen sah und wie Jorge mit ihnen sprach. Außerdem kauften wir dem einen Indigenen ein Armband ab.

Jorge führte uns also durch einen Teil der Stadt und erklärte uns einiges über die Tayrona, die damals in dieser Stadt lebten.
Es ist ein atemberaubendes Gefühl, wenn man über die bemoosten Treppenstufen der Ruinen läuft und sich vorstellt, was für ein Treiben vor vielen Jahren dort geherrscht haben muss. Wie die Einwohner in ihren Steinschalen, je nach Bedarf Gift oder Medizin aus Pflanzen herstellten und wie sie aus Angst vor Infektionen, die die Spanier brachten, die gesamte Stadt verließen, jedoch nie jemand bis in die 70er Jahre dahin vordrang.

Auch ein Gefühl von Stolz fliegt mit, da man es bis dahin geschafft hat und zwischen diesen Ruinen steht- mitten in der Sierra Nevada Kolumbiens.

Nach 3 Stunden Aufenthalt und vielen Fotos machten wir uns wieder auf den Weg zurück zum Camp, um dort Mittag zu essen. Denn auch wenn wir es bis zum Ziel geschafft hatten, lag noch der ganze Weg zurück vor uns.

Gleich am Anfang des Rückwegs, kurz hinter Treppenstufen und Fluß, wurde ich jedoch mit einer der größten Ängsten vor dieser Tour konfrontiert. Einer Schlange. Mir war schon vorher klar, das es im Dschungel auch nicht so nette Kriechviecher gibt. Die Moskito- Netze hingen schließlich nicht ohne Grund um die Betten.
Ich muss zugeben ich habe die Schlange nicht gesehen, aber plötzlich hieß es : „Vorsicht unter dem Baumstamm ist eine giftige Schlange und ihr müsst darüber steigen.“ Zugegeben nicht mein liebster Teil des Tages. Mein Körper dachte sich in dem Moment, lassen wir mal den Blutdruck ansteigen, die Atmung verschnellern und die Tränendrüsen anschalten. Mathilda, die sich meiner Angst bewusst war, reagierte äußerst professionell, indem sie meine Hand nahm. Danach wurde sie jedoch von Jorge abgelöst, der auch mitbekommen hatte, dass ich die ganze Sache nicht ganz so cool fand, und mir dann über den Baustamm half. Danach war der Schreck- Moment auch schon vorüber.

Beim ersten Teil der Strecke war ich einmal ganz vorne mit dabei und habe Schritt gehalten mit Juan, unserem Indigenen- Guide. Ich frage mich immer noch, woher die ganze Energie kommt, da er so leichtfüßig und schnell die Berge hochreißt, dass einem der Mund offen steht. (Die Beantwortung der Frage ist vermutlich Coca.) Danach war ich aber fix und fertig und hielt mich für den Rest der Strecke wieder beim mittleren Teil der Gruppe auf.
Außerdem liefen wir die Horror- Bergauf- Strecke von Tag 2 hinunter und machten all den Leuten die uns entgegen kamen ein bisschen Mut. Diesmal hatten wir leicht zu reden.

Unser Schlafcamp an diesem Tag, war dann das Camp an dem wir am Vortag Mittag gegessen hatten. Wieder schafften wir es vor dem Regen anzukommen und als erstes unter die Duschen zu gehen.

An diesem Abend erzählte uns Juan etwas über die indigene Kultur. Zum Beispiel, dass alle indigenen Männer im Alter von 18 Jahren erstmal an eine ältere Frau des Dorfes verheiratet werden, damit diese sie lehrt, wie sie eine Frau zu behandeln haben. Was einem dabei genau gelehrt wird, wollte er uns jedoch nicht sagen. Außerdem sind die Frauen mit Mutter Natur verbunden, weshalb sie auch immer barfuß laufen. Aufgrund dessen können auch nur die Frauen das Coca pflücken, welches die Männer kauen. Dabei können sie also auch entscheiden wie viel Coca ihr Mann kauen darf, gestand uns Juan mit einem schüchternen Lächeln.

Am letzten Tag, war schon viel Energie aufgebraucht und auch wenn man wusste, dass man es bald geschafft hatte, war man etwas ernüchtert.
Wir durchquerten nochmal einen Fluss und hatten einen weiteren Aufstieg vor uns, für den wir etwa 50 Minuten benötigten.

Danach ging es hauptsächlich nur noch bergab. Auch wenn es mir die Tour über, bergab immer leichter fiel, ging es am Ende ziemlich auf die Knie und war nicht weniger anstrengend.
Die letzten 15 Minuten, war noch ein einziger kleiner Fluss zu durchqueren, bei dem am ersten Tag, das Wasser jedoch so flach war, dass man ihn über Steine überqueren konnte. An diesem Tag musste ich meine Wanderschuhe allerdings ein letztes Mal ausziehen und weigerte mich danach sie wieder anzuziehen. Also humpelte alle mehr oder weniger, ich, mit Birkenstocks an den Füßen und Wanderschuhen in der Hand, die letzten 10 Minuten zu unserem Ausgangspunkt um ein letztes Mal gemeinsam zu Mittag zu essen.

Ich bin immer noch sehr dankbar für die Erfahrung die ich auf dieser Tour gemacht habe. Es war zwar mit das Anstrengendste, was ich überhaupt mal gemacht habe, aber hat sich mehr als gelohnt. Bestimmt, hat man seine Vorteile, wenn man sich etwas darauf vorbereitet, aber letztendlich hab auch ich kleiner Kloß es am Ende gemeistert. Ist ja auch eigentlich egal ob man Team #1 ist (so wie wir 🙂 ), Hauptsache man kommt an.

 

 

 

 

 

 

Ein Kommentar

  1. Jan Thomas · Februar 19

    Hallo Lea, schön, von Dir zu hören. Kann ich gut nachvollziehen. Und, es hat sich gelohnt! Wir grüßen Dich und drücken Dir alle Daumen.

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