Ehrliche Worte

Neues Jahr- neues Glück und vielleicht genau deshalb, wird das hier ein etwas ernsterer, mir aber sehr wichtiger Beitrag.

Es ist so einfach darüber zu sprechen wie toll alles ist, wie wunderbar. Ich habe die Möglichkeit auf diesem Blog alle meine Erfahrungen zu teilen, alle meine Eindrücke. Trotzdem ist es die Retrospektive. Ich kann selbst entscheiden, wie ich etwas formuliere, welchen Dingen ich mehr, welchen ich weniger Gewicht schenke. Man kann alles erzählen, aber auch Dinge weglassen.
 Etwas das ich hoffentlich bis jetzt übermittelt habe: Kolumbien ist fantastisch. Außerdem, wie fantastisch die Entscheidung war hier her zu kommen und wie viele fantastische Erfahrungen ich hier mache.
Tatsächlich ist das aber nicht alles. Dieses ‚nicht alles‘ sind die Sachen die ich weglasse, die ich sehr lange vor mir selbst verheimlicht habe und noch weniger getraut habe hier anzusprechen. Irgendwann hatte ich dann jedoch das Gefühl, ich müsste ehrlich sein, erst zu mir und dann auch hier.

Dieser Ehrlichkeit widme ich diesen Beitrag.

Im Oktober 2016 habe ich für mich die Entscheidung getroffen einen Freiwilligendienst in Südamerika zu machen. Diese Entscheidung habe ich ganz alleine getroffen. Ich habe mich daran gemacht dieses Ziel zu verwirklichen und bin am Ende bei einer Zusage für Kolumbien gelandet. In Zusammenarbeit mit einer Organisation, hinter dessen Vorstellungen ich bis heute stehe. Ich habe diese Entscheidung fest getroffen. Eine der bisher größten Entscheidungen in meinen Leben, die ich selbst getroffen habe. Ich – Lea- damals noch 17 Jahre alt und mit der Vorstellung das ist das Beste ist was ich machen kann.
Dann bin ich gegangen und ich war schon nach den ersten Wochen überwältigt. Ich, am Ende der Welt, wo es unterschiedlicher als zu Hause für mich nicht sein könnte. Also begann mein Alltag, ein wundervolles Projekt; eine wundervolle WG, mit wundervollen Mitbewohnern; das Einleben in eine neue, faszinierende Kultur; neue Menschen. So viele neue Erfahrungen und Eindrücke die mich in kurzer Zeit überwältigt haben. Und ich habe mich in das Land und in die Kultur definitiv verliebt, da gibt es keinen Zweifel.
Trotzdem hier kommt das gar nicht so kleine ABER, welches vielleicht einige nun irritieren wird. 
Ich habe gemerkt wie ich in einer wundervollen, neuen Situation im Leben stehe und sich immer mehr in mir das Gefühl ausgebreitet hat, dass ich mich nicht so wohl fühle, wie ich es sollte. ‚Vielleicht ist das der Anfang‘ habe ich mir gesagt, der ist immer schwer. ‚Vielleicht ist es nur Heimweh‘.
Und während alle anderen in meiner Umgebung darüber redeten, wie ein Jahr zu schnell verginge und das es sogar zu wenig Zeit wäre, beschlich mich immer mehr der Gedanke, dass es mir nicht so geht- das die Tage viel zu langsam vergehen.

Mit dem Gedanken 12 Monate hier zu verbringen fühle ich mich nicht wohl.

Ich habe ganz schön lange gebraucht um das selbst so wahrzunehmen. Ich habe angefangen an der Entscheidung hier her gekommen zu sein zu zweifeln. Bis zu dem Punkt, an dem ich es nicht mehr ignorieren konnte und angefangen habe die Tage zu zählen, die ich noch hier bleiben muss.
Ich habe noch länger nichts gesagt, das lag daran dass ich auch ein bisschen Angst hatte, was alle anderen sagen würden. Außerdem fällt es mir immer noch sehr schwer, einen Grund festzumachen, denn für mich ist es schlichtweg nur ein Gefühl. Ein Gefühl, welches mich immer mehr eingeschränkt und beklemmt hat.

Ich habe mich dazu entschieden meine Freiwilligendienst in Kolumbien auf 6 Monate zu verkürzen.

Diese Entscheidung habe ich nicht Hals über Kopf getroffen, sondern reichlich darüber nachgedacht. Ich wollte unbedingt ausschließen, dass es eine Entscheidung aus dem Effekt heraus ist oder eben einfach nur ein Anflug von Heimweh. 
Im Moment habe ich das Gefühl, alles um einiges mehr genießen zu können, wenn ich nach 6 Monaten wieder nach Hause fliege. Ich will die restliche Zeit hier so sehr wie möglich genießen und nicht am Ende auf ein ganzes Jahr zurück schauen, durch das ich mich im Endeffekt nur gequält habe, weil ich gedacht habe ich bin gezwungen 12 Monate durchziehen.
Auch wenn ich an Momenten stand, in denen ich eigentlich sofort ins Flugzeug nach Hause hätte steigen können, weiß ich dass ich das vermutlich bereut hätte. Ich werde meine Arbeit hier gewissenhaft zu einer Art Ende bringen und mich auch weiter aus Deutschland darum kümmern.

Für mich sind 6 Monate ein guter Kompromiss.

Das war für mich die nächste sehr große Entscheidung die ich für mich getroffen habe. Auf gar keinen Fall zweifle ich mehr an der Entscheidung nach Kolumbien gegangen zu sein, denn auch genau das, was jetzt seinen Lauf genommen hat, ist bestimmt auch eine Erfahrung, die ich nicht so schnell gemacht hätte, wenn ich nicht gegangen wäre.
Auch 6 Monate sind eine wirklich lange Zeit, eine Zeit in der ich bis jetzt Arbeit geleistet habe, wegen der ich auf mich sehr stolz sein kann. Manchmal habe ich nämlich genau das fast vergessen.

Ich denke es ist für keinen so richtig nachvollziehbar, aber vielleicht ein bisschen verständlich. Das sind meine ehrlichen Worte. Ehrliche Worte und eine Entscheidung für die ich mich keineswegs schäme. Es ist meine Entscheidung, genau wie es damals meine Entscheidung war nach Kolumbien zu gehen.
Dieser Eintrag soll keine Rechtfertigung darstellen, sondern lediglich eine Erklärung sein.

Ich dachte ihr solltet das wissen.

3 Kommentare

  1. Jan Thomas · Januar 1

    Hallo Lea, es ist egal, welche Entscheidung Du triffst, Du triffst sie! Es ist Deine Sache, niemand hat das Recht, darüber das Schwert zu brechen. Wir finden es gut, es wird nicht das letzte mal sein, daß Dir eine Entscheidung schwer fällt. Gut so! Steh dazu, wir haben Dich gern und werden immer zu Dir stehen! Ach übrigens, ein gesundes neues Jahr, alles Gute, egal, wo Du bist und was Du machst!

    Gefällt mir

  2. Kathrin Hecker · Januar 2

    Liebe Lea

    Dein Bauchgefühl & dein Herz wird dir immer
    den richtigen Weg weisen.

    Ich freue mich auf deine Heimkehr

    Mit freundlichen Grüßen

    Kathrin Hecker via iPhone
    kathrin.hecker@heckmuenet.de

    Gefällt mir

  3. Uwe & Evi · Januar 6

    Hi Lea – gesundes Neues erstmal. Respekt vor deiner Entscheidung. Manchmal stimmt Vieles nur das Bauchgefühl sagt was anderes. Manchmal sollte man dann auch auf das Bauchgefühl hören um richtig glücklich zu sein. Wir freuen uns auf dich. Grüße Uwe & Evi

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s