Arbeit ist mein Alltag

„Schreib das nächste Mal über deine Arbeit!“  – Wenn du das so willst liebe Omi, dann soll das so sein.
Ausflüge und Freizeit, das ist ja alles schön und gut, aber die meiste Zeit verbringe ich nunmal bei der Arbeit. Da soll dieses Thema natürlich nicht zu kurz kommen, denn die Schule macht nunmal meinen Alltag aus.7 Uhr morgens geht in meiner Schule der Unterricht los. Heißt für mich spätestens um 6 aufstehen, wenn ich nicht früh morgens noch zum Copy- Shop muss, um etwas auszudrucken. Der macht nämlich erst um 8 auf und dann kann ich immer erst etwas später zur Schule gehen, was mir manchmal gar nicht so unrecht ist.

Wie schonmal in einem anderen Blogeintrag erwähnt, ist mein Deutschunterricht Dienstag bis Donnerstag von 14- 17 Uhr. Vormittags steht dann meistens das Vorbereiten meines Unterrichts an. Außerdem müssen Felix und ich ab und zu Englisch Refuerzos (Nachhilfe) geben. Das geht dann den ganzen Vormittag.

Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, wie deprimierend das manchmal ist. Teilweise hat man das Gefühl, das was man den Schülern versucht näherzubringen kommt bei ihnen gar nicht an. Manchmal frage ich mich wirklich was das bringt was ich in diesen Nachhilfestunden mache. Dazu kommt außerdem, dass diese nicht besonders gut organisiert sind von der Schule. Teilweise wird uns erst einen Tag vorher Bescheid gegeben, dass wir Nachhilfe geben sollen, weil am übernächsten Tag schon das nächste Examen ist. Ich denke dann immer an meine Lehrer, die gesagt haben, dass einen Tag vor der Prüfung lernen gar nichts mehr bringe.
Meistens haben wir dann gleich mehrere Gruppen unterteilt nach Klassenstufe. Was diese, jedoch aktuell im Unterricht machen, erfahre ich frühestens, wenn ich vor ihnen sitze.
Spontanität ist die Devise.
Dazu muss ich auch sagen, wie erschreckend es ist, wie wenig Englisch die Schüler teilweise können. Selbst wenn man einige Elftklässler fragt „How are you?“  können sie erstmal nicht viel damit anfangen und gerade mal bei einer Übersetzung eine Antwort geben. Teilweise habe ich auch manchmal das Gefühl, sie wollen gar nicht Englisch lernen, weil sie nicht begreifen, wie wichtig es für ihr zukünftiges Leben eigentlich sein kann. Wundern tut mich dieses Niveau dann aber nicht, wenn die Englisch Lehrerin in ihren Klausuren selbst Fehler macht und auch uns Freiwillige im Unterricht nach Sachen fragen muss.

Der Unterschied im Sprachniveau ist aber nicht der Einzige, der mir hier auffällt. Auch an Disziplin und Respekt hapert es manchmal. Einfacher macht es dann nicht, dass ich nur die Freiwillige bin, die gerade mal 18 Jahre alt ist. Vor allem das Rüberbringen von Autorität ist manchmal schwerer als gedacht, vor allem wenn man dazu eine Fremdsprache sprechen muss. Manchmal ist es einfach haarraufend, wenn man einmal durch den Raum „Silencio, por favor!“ ruft und nach einem Augenblick der Stille sich die Geräuschkulisse wieder aufbaut.

Das klingt zwar alles ein bisschen hart, aber so ist es nunmal. Etwas was es dann aber wieder wett macht ist, wenn die Kinder in der Pause zu dir kommen und dich mit Fragen überhäufen und den Mund vor Staunen nicht mehr zubekommen, wenn du ihnen sagst wie alt du bist und das du aus Deutschland kommst. Kleine süße Kinder- zumindest von Weitem.

Manchmal, wenn wir aber keine Nachhilfe oder andere Sachen machen müssen, bleibt nur die Stundenvorbereitung übrig und dann ist das teilweise viel zu viel Zeit in der Schule, die man am Ende nur absitzt bis der eigene Unterricht losgeht. Ehrlich gesagt empfinde ich es dann teilweise als etwas unnötig ab früh morgens um sieben in der Schule zu sein. Vor allem wenn es dann zusammengerechnet 43 Stunden sind, die ich in der Schule verbringe.
Dazu kommt, dass wir keinen Raum haben in dem wir uns aufhalten können um in Ruhe unsere Stunden vorzubereiten. Stattdessen sitzen wir auf dem Schulhof an den Picknick- Tischen und in den Pausen kann man sich aufgrund der Lautstärke nicht konzentrieren. Das soll sich aber ab dem nächsten Jahr ändern.

Mein Unterricht läuft soweit ziemlich gut und ist auch das was mir hier am meisten Spaß macht. Mittlerweile ist schon ein echter Fortschritt zu sehen und ich habe mit ihnen schon das erste Examen geschrieben, welches ich im übrigen selbst erstellt habe. Themen wie Familie, Verben konjugieren, einfacher Satzbau, Uhrzeit, Deklination von Adjektiven und so viele mehr sind schon abgehakt. Natürlich liegt noch ne Menge vor uns bis zum Goethe Examen, welches sie brauchen um nach Deutschland auszureisen. Ich denke aber auf das Sprachniveau A1 werde ich sie schon kriegen, da bin ich ziemlich optimistisch. Schließlich sind sie wirklich super motiviert, hören (meistens) aufmerksam zu und machen mit. Da macht der Unterricht so richtig Spaß.

Zum Intercambio- Programm gehört auch das Sammeln von Spenden. Diese Spenden brauchen sie um das Goethe- Examen, die Fahrt nach Bogotá zum Visumstermin und einen Pass zu finanzieren.
Mittlerweile sind wir schon 3 Fundraising- Projekte angegangen. Wir haben ‚Arroz con leche‘ (Milchreis), ‚Tres leche‘ (Dessert aus Milch und Keks) und ‚Lechona‘ (gefülltes Schwein mit Reis und Gemüse) zubereitet und verkauft. Das nächste Projekt ist schon geplant und ich bin begeistert davon, mit wie viel Elan meine Schüler bei der Sache sind.

Im Unterricht läuft es mit meinem Spanisch mittlerweile auch richtig gut. Bestimmte Floskeln für den Unterricht hab ich drin und selbst wenn ich mal ein Wort nicht weiß, schaff ich es mich irgendwie verständlich zu machen. Tatsächlich ist der Unterricht für mich die größte Hilfe beim Lernen.

Irgendwie habe ich nun schon so eine gewisse Routine drin. Ich beginne den Unterricht meistens mit einem Spiel um die Dinge der letzte Stunde oder Woche zu wiederholen. Danach kommt ein bisschen trockener Stoff. Ich erkläre ein neues Thema und im Zuge dessen werden auch immer neue Vokabeln gelernt. Dann machen wir meistens gemeinsame Übungsaufgaben und am Ende kriegen sie eine Aufgabe die sie eigenständig bearbeiten und am nächsten Tag auch mal vortragen müssen.

Ich weiß jetzt wie anstrengend es ist den ganzen Unterricht vorzubereiten. Da steckt eine Menge Arbeit hinter. Es ist dann auch mal deprimierend, wenn etwas nicht ganz so läuft wie man es sich vorgestellt hat und man sich schließlich die Mühe gemacht hat es vorzubereiten. Das passiert eben auch mal, wenn ich z. B. falsch eingeschätzt habe, wie viel Zeit die Schüler für etwas brauchen.

Der Unterricht in der Schule geht nun regulär noch bis zum 07. Dezember. Danach sind Ferien bis Anfang Februar. Ich werde aber mit meinen Schülern noch bis zum 14. Dezember Unterricht machen und schon ab dem 09. Januar wieder anfangen. Das hab ich mir selbst so ausgesucht, da mein Projekt nicht zwingend an die regulären Schulzeiten gebunden ist und ich mit meine Schülern noch viel vor mir habe. Trotzdem freue ich mich schon sehr auf meinen Urlaub, den ich dann auch wirklich gebrauchen kann.

Alle die interessiert, wie mein Examen aussah können gerne mal hier klicken.

3 Kommentare

  1. Jan Thomas · November 26

    Hallo Lea, obwohl wir noch nicht geschrieben haben, wir verfolgen Deinen Trip aufmerksam und freuen uns, welche Riesenschritte Du in Richtung Leben gehst. Es ist mitunter nicht einfach, gerade das Arbeiten mit Menschen. Aber es ist das schönste, was man machen kann. Die Belohnung ist dann ein Lächeln oder ein Danke, in welcher Sprache auch immer. Lass es Dir weiter gut gehen, hab Spaß und sei ganz lieb gegrüßt von uns aus Bindow.

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  2. Katrin Pagels · November 27

    Hey Lea, ein sehr ehrlicher und doch realistischer Eintrag. Er spiegelt deine Erwartungen, Enttäuschung über Dinge, deine Freude und den Stolz auf den Erfolg deiner Arbeit wieder. Ich finde es gut, dass du uns an den Ablauf einer Unterrichtsstunde teilhaben lässt und uns zeigst welchen Kopf du dir auch didaktisch machst. RESPEKT!
    Cool, dass wir mal in so eine Examenarbeit rein schauen dürfen. Mach weiter so, ich bin stolz auf dich. Deine Mama.

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  3. Thomas Grüßing · Dezember 22

    Moin Lea,
    erst kürzlich bin ich an der CBO auf deinen Blog aufmerksam gemacht worden und habe ihn heute gänzlich mit großem Interesse und großer Freude gelesen. Es nötigt mir höchsten Respekt ab, wenn junge Seelen sich auf in die weite Welt machen um sie zu erkunden. Was ihr dort über einen so langen Zeitraum erfahrt, wird euer Leben prägen, die Erfahrungen wird euch nie wieder jemand nehmen können und euch deutlich von denen unterscheiden, die ihren Weitblick nicht geschärft haben.
    Ich bin auch gerne als Langzeitreisender unterwegs, bin quasi grade erst von einer einjährigen Motorradtour durch AUS/NZ zurück unter das Joch der Schule, und möchte euch eines mit auf dem Weg geben, was in den allermeisten Blogs, Reisebüchern, Reisevorträgen etc. keinerlei Erwähnung findet: Ein ganzes Jahr auf Tour zu sein, ist kein Ponyhof und längst nicht alle Erfahrungen und Abenteuer sind soooo toll, wie einem das Geschriebene/Erzählte glauben machen will. Ein Jahr ist eine sehr lange Zeit weg von allem, was man gewohnt ist und was man liebt. Es wird sicherlich auch auf eurer Tour eine Zeitspanne geben, in der man einfach mal den Blues hat und kurz davor steht zu verzweifeln. Auch das ist eine Seite derselben Medaille!!!! Ihr seid ein ganzes Team – achtet und unterstützt euch in diesen Momenten, die individuell als sehr schwer empfunden werden können. Ich spreche da durchaus aus Erfahrung und weiß, wie wichtig es ist, jemanden dann an seiner Seite zu haben, der einen stärkt und motiviert!!!!
    Bei der Beschreibung deines Arbeitsfrustes musste ich sehr grinsen, unterscheidet sich das Ganze doch nicht allzusehr von der hiesigen Situation. Erst, wenn man genügend Handwerkzeug in seinem Koffer hat und nicht mehr intuitiv das Richtige zu machen versucht, reduziert sich dieser Frust. Eure Aufgabe ist äußerst anspruchsvoll und euer Engagement bemerkenswert. Lass dich nicht entmutigen, so ist das LehrerInnenleben in der ersten Zeit nun mal. Solltest du mal Lehrerin werden wollen, werden dich die jetzt gemachten Erfahrungen um Meilen voranbringen, im Vergleich zu den anderen AnwärterInnen.
    Jetzt sind hier wie dort aber erst einmal Ferien angesagt und ich bin -ehrlich gesagt- ein klein wenig neidisch, nicht auch in der Wärme durch die Ferne schweifen zu können. Genieße diese Zeit der Abwechslung, des Abenteuers, des Reisens und tanke Energie.
    Ich freue mich auf deine weiteren Berichte, wünsche dir/euch allen schöne Weihnachtstage und einen erfolgreichen Start in ein hoffentlich spannendes 2018.
    Nasskalte Grüße aus Berlin,
    Thomas Grüßing

    PS: Du bist im Sommer selbstverständlich zu einer Motorradtour eingeladen!!!!!! (das treibt deine Ma jetzt in den Wahnsinn :-))

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