Wo ist der Käse?

Ein Jahr hat 52 Wochen. Fünf Wochen davon bin ich jetzt tatsächlich schon hier.
Irgendwie verständlich, dass man dabei das Gefühl hat die Zeit rennt weg. „Torschlusspanik“ wie wir es hier in der WG auch gerne nennen, denn bisher hab ich tatsächlich nur Cali gesehen.
Eine Inangriffnahme der letzten Wochen war deshalb auch das Planen der ersten kurzen Reisen. Und so kommt es, dass ich dieses Wochenende gemeinsam mit Mathilda nach Medellín fahre. Freitag Abend wird es mit dem Bus losgehen. Wir fahren über Nacht, sodass wir Samstag früh ankommen und bleiben bis Montag, da an diesem Tag hier in Kolumbien ein Feiertag ist. Medellín soll mit die schönste Stadt Kolumbiens sein und deshalb freue ich mich schon sehr auf unseren Kurztrip.
Schon fest vorgenommen, aber noch in Planung ist außerdem ein anderer Kurztrip zum Strand Ladrilleros bei Buenaventura.

Ansonsten kann ich sagen, dass ich mich immer heimischer und heimischer fühle. Unsere Wohnung ist mein neues Zuhause, die Schule mein Alltag und wenn ich durch die Straßen laufe, fühle ich mich nicht mehr so als würde mich die Stadt verschlucken.

Apropos, das Thema Schule. Es ist so faszinierend, wie man sich fühlt, anderen Menschen seine eigene Sprache näherzubringen. Ich habe ja schon erwähnt, dass meine Schüler alle ungefähr mein Alter sind, das macht die gesamte Situation irgendwie noch kurioser, da ich die ganze Zeit daran denken muss, dass ich dieses Jahr doch auch erst meine eigene Schulzeit beendet hab. Plötzlich stehe ich dann vor einer Klasse, also auf der andere Seite des Lehrerpults, ohne auch nur ansatzweise so etwas mal gemacht zu haben und führe einen Unterricht. Tatsächlich mache ich es nur wie ich denke , das es richtig ist, denn darauf vorbereitet wurde ich nicht.
Das Ganze erinnert mich stark an mein Schülerpraktikum in der 9. Klasse, bei dem ich aus dem Stand heraus ein richtiges Interview führen sollte: „Mach das mal!“ war die Devise. Ohne große Vorbereitung und einer kurzen, kleinen Hysterie meinerseits hab ich es dann gemacht und irgendwie überstanden.
In etwa so fühle ich mich hier manchmal auch. Schmeißen wir das Kind einfach mal ins kalte Wasser, damit es es dann an den Situationen und Aufgaben wächst.
Gar keine so schlechte Sache, auch wenn es mich manchmal ganz schön schlucken lässt.
Man muss auch dazu sagen, dass ich normalerweise nicht vor einer so großen Klasse stehe. Ich habe fünf Schüler in meinem Kurs und den großen Vorteil, dass alle unfassbar motiviert sind Deutsch zu lernen. Damit habe ich wirklich Glück. Sie sind ruhig, machen mit und hören zu. Was wünscht man sich mehr.
Vor allem dieser Stolz der einen erfüllt, wenn deine Schüler die vor 4 Wochen noch kaum ein Wort Deutsch konnten , vor der Klasse stehen und dann an der Tafel ihren ganzen Stammbaum erklären und präsentieren oder dich mit „Hallo“ begrüßen und mit „Bis morgen“ verabschieden. Das ist so ein neues Gefühl. Das lässt einen so richtig strahlen. Irgendwie hat man das schließlich mit erreicht.

Nur kurz am Rande, bei zeitweiliger Englischvertretung sieht das ganze schon ganz anders aus: Da treiben die kleinen Bälger einen nämlich wortwörtlich in die Verzweiflung.

Würde ich einen weiteren Absatz dieses Blogeintrags nicht Pandebonos widmen wäre meine Mitbewohnerin Mathilda sicherlich zutiefst enttäuscht.
Also um eine Enttäuschung zu vermeiden- Pandebonos.
Dieses sehr lustig klingende Gebäck hat sich, in meiner bisherigen Zeit hier, zu eines meiner Grundnahrungsmittel entwickelt. Eigentlich sind es nur kleine Brötchen mit Loch in der Mitte und Käse im Teig verbacken. Allein, weil es aber so mit das Einzige ist, was hier wirklich nach Käse schmeckt ist es so gut. Pandebonos als Frühstück, als Mitternachtssnack, einfach nur so oder aber vor allem als Bekämpfung von schlechter Laune.
Haben wir irgendwann genug von Pandebonos in diesem Jahr, ist definitiv etwas schrecklich schief gelaufen, da sind Mathilda und ich uns sicher.

Abgesehen von dieser kolumbianischen Köstlichkeit, wurde ich aber auch schon mit etwas fragwürdigen Spezialitäten konfrontiert.
Hätte mir mal einer gesagt, dass ich mal heißen Kakao mit Käse essen, hätte ich ihm sicherlich einen Vogel gezeigt. ABER ich hab es getan. So schlimm wie es sich anhört ist es dann tatsächlich gar nicht, da der Käse hier eben einfach nach nichts schmeckt. Zusammenfassend Kakao mit wabbeliger, nach nichts schmeckender Beilage.
Mangoviche- die nächste fragwürdige Spezialität. Mango mit Salz. Manchmal frage ich mich einfach wie man auf solche Ideen kommt. Definitiv auch essbar, aber ohne Salz einfach besser.

Um auch noch das letzte bisschen Kultur anzuschneiden: Salsa.
Man kommt in Cali nicht drumherum dem Salsa ausgehändigt zu sein. Sobald man abends weggeht, schlagen einem nach einiger Zeit die Salsa- Rhythmen entgegen. Aus diesem Grund haben Mathilda, Felix, Clara und ich uns dazu entschieden Salsa- Unterricht zu nehmen, um nicht nach einem Jahr immer noch wie steife deutsche Karotten auf der Tanzfläche zu stehen.
Auch wenn, es nicht immer nur um Schritte geht, ist es doch ganz vorteilhaft einige dieser zu können. An diesem Punkt vermerke ich auch sehr gerne, den letzten Blogeintrag der lieben Mathilda, die meiner Meinung diese ganze Salsa- Stimmung in Cali sehr gut auf den Punkt gebracht hat.

Eine letzte, aber auch sehr erwähnenswerte Sache, die ich in dem heutigen Eintrag mit euch teilen möchte, ist das zweitägige Nachbereitungsseminar, dass wir letztes Wochenende für die Incomer des letzten Jahres veranstaltet haben. Diese haben nämlich gerade ihr Jahr hinter sich, während unseres gerade erst anfängt. Wir haben gemeinsam mit ihnen ihr Jahr in Deutschland reflektiert und über ihre zukünftigen Pläne gesprochen. Das ganze war ein wunderbarer Austausch und hab mich gespannt darauf gemacht, was das Jahr mit mir macht. Es wurde sehr viel erzählt und gelacht und natürlich eine typisch deutsche Brotzeit durfte zum Mittag nicht fehlen.

Bis zum nächsten Mal!

Eure Lea

 

 

 

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