Von Kakerlaken, Leguanen und Katzen

2 Wochen, fast auf den Tag genau. Seit zwei Wochen und einem Tag bin ich nun in Kolumbien und kann immer noch nicht richtig sagen, ob ich angekommen bin oder nicht.
Seit letzter Woche gehe ich nun zwar schon zur Schule, meine Arbeitsstelle für das kommende Jahr, trotzdem ist jeder Tag von mächtigen Eindrücken und neuen Aufgaben geprägt. Wird sich das ändern über das Jahr, oder ist nicht immer überall und jeder Zeit etwas neu und anders? Wann bin ich richtig angekommen?

Nichts desto trotz, ist es mir ein Anliegen euch von diesen mächtigen und neuen Eindrücken zu berichten.

Springen wir im Gedanken einmal zurück zur letzten Woche. Montag, der erste Tag in der Schule. Angefangen damit, überhaupt einmal zur Schule zu kommen.
Zwar gibt es in Cali, ein Busunternehmen namens „Mio“, jedoch fahren Felix und ich nicht damit. Stattdessen fahren wir Jeep und das in Richtung „Terron Colorado“, weil dort unsere Schule ist.
Die Jeeps sehen folgendermaßen aus: Sie sind alt, richtig alte Jeeps und es gibt sie in vielen verschiedenen Farben. In den Frontscheiben hängen Schilder, die die Fahrtrichtung angeben, in unserem Fall also „Terron“. Im Inneren sind sie so ausgebaut, dass es zwei Sitzbänke im hinteren Bereich des Jeeps gibt und dieser hinten, zum ein- und aussteigen, offen ist.
Das bedeutet früh morgens stellen wir uns bei uns an die große Hauptstraße, winken einen Jeep heran, steigen hinten auf und geben dem Fahrer 1800 Pesos, was umgerechnet ungefähr 50 Cent sind. Wenn man dann an seinem Ziel angekommen ist, gibt man dem Fahrer mit einem kurzen „Por aquí, por favor“ zu verstehen, dass man aussteigen will und dieser hält entweder mitten auf der Straße an oder fährt kurz etwas an die Seite, damit man schnell aussteigen kann.

Wenn das nicht schon das erste Abenteuer ist.

Wieder zurück zum Thema. An diesem ersten Tag in der Schule, hatten wir dann erst einmal ein Treffen, eine sogenannte „Reunión“, mit unserer Chefin Alejandra. Dabei wurden wir in die Mission und die Vorstellungen der „CEP“ eingewiesen. Wir wurden wirklich herzlich willkommen.

Im Laufe der Woche wurden wir dann als Vertretung für eine Englischstunde eingeteilt. Donnerstag und Freitag mussten wir dritter, vierter und fünfter Klasse, Tiere und den Tagesablauf auf Englisch näher bringen… Außer einer kurzen Verzweiflungsphase am Vorabend, bin ich der ganzen Sache recht positiv entgegengegangen. Letztendlich war das Ganze dann aber doch eine sehr nervenaufreibende Geschichte. Aufbauschende Lautstärke im Klassenraum, ein bisschen zu neugierige Kinder und der Versuch irgendwie Englisch, Spanisch und Deutsch in seinem Kopf auseinanderzuhalten. Irgendwie haben wir uns dann, aber doch durch die Stunden gekämpft.

Und plötzlich wurde wieder das Wochenende ersehnt, so wie, noch vor ein paar Monaten, in meiner Schulzeit, nur auf der anderen Seite des Raumes.

Das Wochenende verlief dann sehnlichst entspannt, auch wenn ich es nicht unbedingt geschafft habe, meinen Schlaf der ersten Arbeitswoche aufzuholen.
Etwas, für mich weniger Entspanntes- wir waren in einem kolumbianischen Club. Vielleicht werde ich mich daran noch gewöhnen, aber aus der Tatsache heraus, dass mich Clubs in Deutschland schon nicht vom Hocker reißen, bezweifle ich es. Wie in Deutschland, bloß enger, wärmer, mit mehr spanischsprachiger Musik und mehr Typen die mit einem tanzen wollen.

Diese Woche hab ich dann mit dem Deutschunterricht in der Schule begonnen. Ich leite das Intercambio (Austausch)- Programm für dieses Jahr. Das bedeutet ich unterrichte die Schüler, die potentiell nächstes Jahr nach Deutschland gehen. Zu dieser Vorbereitung zählt dann nicht nur allein das Unterrichten der Sprache, sondern auch weiteres Sammeln von Spenden und das Näherbringen von deutscher Kultur, Geschichte oder auch Politik. Meine Schüler sind alle ungefähr mein Alter und die meisten mittlerweile nur ehemalige Schüler der „CEP“. Mein Unterricht findet Dienstag, Mittwoch und Donnerstag Nachmittag statt und geht jeweils 3 Stunden. Trotzdem muss ich jeden Tag ab Morgens in der Schule sein und Stundenvorbereitungen etc. machen.

Der erste Unterricht war wirklich holprig, ich war super nervös und mein spanisches Gestotter trieb mir eine Röte ins Gesicht, die einer Tomate starke Konkurrenz macht. Irgendwie habe ich die drei Stunden dann doch überlebt. Am nächsten Tag lief das Ganze dann auch schon um einiges flüssiger.

Apropos Spanisch, das ist nämlich auch eine meiner Herausforderungen hier. Das alleinige theoretische Lernen in der Schule ist dann doch irgendwie etwas völlig anderes, als eine wirkliche Konversation zu führen. Ich kann aber sagen, es wird besser und besser. Irgendwie habe ich schließlich auch keine andere Wahl. Vor allem aber der Deutschunterricht hilft mir. Während die anderen Deutsch lernen und ich irgendwie versuche Deutsch auf Spanisch zu erklären, lerne ich am Ende auch viel dazu.

Innerhalb der zwei Wochen durfte ich auch schon mit verschiedenen einheimischen Tieren Bekanntschaft machen. Abgesehen von riesigen Insekten in meinem Haaren, hatten wir auch schon zwei Cucarachas (Kakerlaken) bei uns in der Wohnung.
Cucaracha número uno: Mathilda und ich kriegen eine kurze Hysterieattacke, schließen voller Panik unsere Zimmertüren und die Kakerlake verschwindet unter dem Kühlschrank. Später hören wir Patrick, wie er voller Stolz verkündet er habe sie vor MEINEM Zimmer zertreten.
Cucaracha número dos: Mathilda und ich sind allein, kriegen eine weitere Hysterieattacke und sprühen die halbe Sprühdose Insektengift auf den ungebetenen Gast, bis dieser sich nicht mehr bewegt. That´s how we do it!

Abgesehen von den eher ungebeten Gästen, hatte ich aber außerdem das Vergnügen einen grünen Leguan zu sehen.  Mitten auf dem Schulhof und sogar ziemlich groß. Während die Schüler und Lehrer sich davon überhaupt nicht beeindrucken ließen, flippten Felix und ich komplett aus und waren super beeindruckt von dem exotischen Tier und mussten sofort ein Foto machen.

Natürlich gab es mittlerweile auch schon etwas unschönere Herausforderungen. Wie z.B am Dienstag. Ich komme fix und fertig kurz nach 17 Uhr aus der Schule, während ich mich an den Esstisch setze. Plötzlich höre ich ein seltsames Knacken aus dem Zimmer von Mathilda. Während mein Blick weiter auf dem Fenster kurz über ihrer Tür ruht, folgt ein mächtiges Rumpeln und ich sehe wie ein Teil der Zimmerdecke runter in das Zimmer kracht. Aber nicht nur das, mit der Decke auch eine schwarze, streunende Katze.
Da das Zimmer verschlossen war, kamen wir nicht sofort in das Zimmer und mussten darauf warten, dass Mathilda nach Hause kommt.
Die Arme war, als sie nach Hause kam, mit der ganzen Situation natürlich ziemlich überfordert, aber zu mindestens konnten wir die Katze aus dem Zimmer holen.
Im Endeffekt haben wir jetzt ein Zimmer ohne Decke, wieder einmal Bauarbeiter im Haus und eine Mathilda, die auf einer Matratze im Nebenzimmer schläft.

Zum Abschluss aber noch eine positive Sache- Säfte und Milchshakes! Mit frischen Früchten, oder auch eingefrorenem Fruchtfleisch und einem Mixer kann man hier wunderbar selbst Säfte und Milchshakes machen. Diese schmecken nicht nur super gut, sondern sind natürlich auch super gesund und spenden viele Vitamine liebe Mama.
Mein Favorit: Guanábana Milchshake!

 

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s